Die Zauberflöte am CPG

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Eine Oper in der Schule?

Über die Entstehung und Umsetzung einer Idee
Von Martina Swandulla

 

„Die Zauberflöte an einer Schule? Wer kann denn das singen? Und wer singt die Königin der Nacht?“ Solchen und ähnlichen ungläubigen Fragen begegnete ich immer wieder, wenn ich von unserem Projekt erzählte.

 

Als Opernfan und Sängerin schwebte mir schon lange vor, an der Schule eine Oper aufzuführen. Seit Jahren fördere ich solistisches Singen, motiviere und unterstütze junge Menschen darin, jede Art von Gesang zu pflegen und damit aufzutreten.  Im vergangenen Schuljahr fand ich dann zum ersten Mal so viele begabte und begeisterte Mädchen und Jungen, dass mir der Zeitpunkt für ein Opernprojekt gekommen schien.

 

Fehlte nur noch das passende Stück – passend für unsere vorhandenen Kapazitäten bezüglich Stimmen, Orchester, Theater, Räumlichkeiten etc. Irgendwann im Laufe meiner langen Suche stieß ich auf eine Bearbeitung der Zauberflöte für Kinder – und war sofort begeistert: Mozarts herrliche Musik – eingängig und einfach und doch sehr anspruchsvoll – eben Mozart; die Geschichte ansprechend für junge Leute, aber auch mit einer gehaltvollen tiefen Bedeutung, die sich erst beim näheren Kennenlernen erschließt.

 

Die vorliegende Bearbeitung schien mir jedoch für unsere Zwecke nicht ganz befriedigend. So kam ich mit Frau Popp, die am CPG seit Jahren den Grundkurs Dramatisches Gestalten leitet, ins Gespräch. Das Ergebnis war, die Musik stark zu kürzen, die Zwischentexte Schikaneders zu bearbeiten und das Ganze in den Rahmen einer Theaaterprobe mit Hindernissen zu verpacken. Auf diese Art und Weise kamen die 17 Schauspieler des GK alle zu einer Rolle und wir kreierten etwas völlig Neues, ohne dabei dem Original zu sehr zu Leibe zu rücken.

 

In diesem Schuljahr ging´s dann zur Sache: Frau Popp machte sich ans Schreiben des Stückes, Herr Schmitt ans Einrichten der Orchesterstimmen, Frau Powell entwarf Bühnenbild und Kostüme, ich stellte das Opernensemble und den Chor zusammen und es konnte losgehen mit der Probenarbeit und dem Formen eines arbeitsfähigen Teams.

 

Ein Problem schien eine ganze Weile unlösbar. Die sehr anspruchsvollen Partien der Pamina und des Papageno konnten wir ideal besetzen, doch fehlte uns – wie könnte es anders sein – ein Tenor für die Rolle des Tamino. Ich telefonierte sage und schreibe mit 35 Musikerlehrern, Gesangspädagogen, Sängern und Leuten, die in der hiesigen Musikszene daheim sind. Einen Schüler für diese Partie, die als eine der anspruchsvollsten im lyrischen Tenorfach gilt? Unmöglich, das gibt es nicht. Ich zweifelte jedoch nicht daran, dass ich ihn finde, und ich fand ihn auch: Ein Sängerkollege vermittelte mir Sascha [personenbezogene Daten auf eigenen Wunsch am 16.11.2018 entfernt].

 

Wer je ein großes Projekt dieser Art organisiert hat, weiß, was da alles im Hintergrund zu tun ist: Viele Mitarbeiter waren zu gewinnen, das Projekt musste in den Ablauf des Schuljahres eingebunden werden, die Finanzierung geklärt, Kostüme genäht, Requisiten gebaut, ein Probenplan erstellt, Öffentlichkeitsarbeit gemacht, der Vorverkauf geplant, das Programmheft gestaltet werden und vieles mehr. Das ließ sich alles nur mit einem sehr kooperativen Kollegium verwirklichen, dem an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen sei. Und dann natürlich proben, üben, wiederholen, Stimmen trainieren, Texte lernen, umschreiben, motivieren, Durchhänger aussitzen. Es ist ein weiter und arbeitsreicher Weg, mit Laien dahin zu kommen, dass am Schluss eine Aufführung entsteht, die nicht nach Schultheater schmeckt, sondern ein Niveau erreicht, das Professionalität zeigt. Und das gelingt nur durch den engagierten und bedingungslosen Einsatz aller Beteiligten. Über Wochenendarbeit, Überstunden, nächtliche Telefonate oder Notenschreiben darf man da nicht nachdenken.

 

Aber – oder besser vor allem: Es bereitet mir – und ich denke, ich kann hier auch für alle anderen Mitwirkenden sprechen – trotz des enormen Einsatzes und der manchmal auch schwierigen Phasen eine ungeheuere Freude. Nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem den Prozess des Entstehens mit zu erleben und kreativ zu gestalten, zu sehen wie die jungen Menschen sich mehr und mehr begeistern, sich entwickeln und persönlich davon profitieren, wie da plötzlich Fähigkeiten und ungeahnte Talente zu Tage treten – das ist für mich eine tiefe Freude und letztlich die größte Befriedigung bei der ganzen Arbeit. Die Aufführung ist dann noch wie die Sahnehaube auf einer mit sehr viel Liebe gemeinsam hergestellten Festtagstorte.

 

Wir sind zusammengewachsen: Die Opern- und Theatertage, die Orchesterfahrt inklusive einer Live-Aufführung der Rachearie im fahrenden Zug mit viel Gelächter und der Begeisterung der Fahrgäste, haben uns zusammengeschweißt; viele hundert Stunden Probenarbeit und das gemeinsame Erschaffen von Etwas, das es ohne uns nicht gegeben hätte. Ich danke euch allen dafür aus vollem Herzen – Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Ehemaligen und Freunden, für euer Engagement an diesem Projekt, die Verwirklichung einer Idee. Und – um mit den Schlussworten aus der Zauberflöte zu schließen:

 

„Es siegte die Stärke und krönet zum Lohn
die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron.“

 

 


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